Auf dem Weg von Lake Tahoe nach Santa Monica

Bin wieder zurück in Santa Monica seit zwei Tagen. Der Roadtrip war wunderschön. Der Sequoia & Kings Canyon sind wirklich sehr schön. Habe sehr schöne Orte gesehen, die ich niemals beschreiben könnte. Da ich kein Fotoappart mehr habe, nicht einmal mehr richtig zeigen kann :). Wichtig ist ja, dass sie in mir sind :). Nach drei Tagen Lake Tahoe bin ich nach Gilroy gefahren. Dort gibt es ein Premium Outlet mit 140 Stores, also ein Paradie für eine Shoppingtusse :). Habe natürlich viel geshoppt und mich in einem Wunderland der Outlets verloren. Wort und wörtlich verloren, da ich die Zeit auch nicht mehr so im Griff hatte. So wurde es spät, bis ich dort abfuhr. Wollte weiterziehen nach Bradley und dort auf einem Campingground übernachten. Die Fahrt dorthin war nur Pampa alles gelbe, ausgerottete Landschaften und sonst nichts. Irgendwie hat die Autobahn nie aufgehört. Dann wo sie für mich aufhören sollte, habe ich die Ausfahrt verpasst :). So ging ich weiter und das Navi hat neu kalkuliert. Der Weg wurde noch länger und der Tank war halb voll also dachte ich na nu, fahre ich halt einen Umweg für nach Bradley :). Habe nicht damit gerechnet, dass der Umweg über einen Pass geht und eine magische Kraft den Tankzeiger immer wie mehr nach unten zog. Es kam mir vor, als ob ich die erste Person gewesen bin, die diese Strassen jeh mal durchgefahren ist. Weit und breit keine Lichter…

Ich fuhr ca. 20 Meilen weiter und dann wusste ich, ich habe nochmals 20 Meilen zu fahren bis zum Campingground. Dann habe ich über das Navi eine Tankstelle gefunden die ca. 10 Meilen von meinem Standort weg war. Fuhr dort hin und fand eine Tankstelle mitten in der Pampa mit einem kleinen Laden neben an. Leider konnte ich nicht mit der Kreditkarte tanken, da man im Laden bezahlen müsste. Da dieser zu war, dachte ich, jetzt darfst Du Panik auslösen :).

Fuhr weiter und fand auf dem Weg ein Haus und hielte davor an und sah im Fenster eine Frau. Ich hoffte, dass jemand nach draussen kommt und mich evt. fragt was ich da mache. Da niemand rauskam wollte ich auf dem Vorplatz wenden und bin in der Dunkelheit über etwas gefahren und habe das Auto unten ordentlich angeschlagen. Da war der Punkt als ich anfing zu zittern :).

Da kam die Frau raus und schaute neugierig in meine Richtung. Ich stieg aus und fragte sie, ob ich sie was fragen darf damit sie weiss, ich bin eine Frau und evt. harmloser als ein Mann :). Sie sagte, ja sicher. Dann schaute sie mich mit grossen Augen an und fragte mich: „Was machst Du hier ganz alleine?“ Ich so: „ich reise“. Da kam sie zu mir und ich habe ihr mein Problem erkärt. Sie meinte, sie wohne nicht da und würde kurz ihre Schwester fragen, ob es hier eine andere Tankstelle gibt. Da kam sie mit ihrer Schwester zurück und nach 2 Minuten reden meinte sie, ich solle hier nicht alleine herumreisen und solle doch über Nacht in ihrem Haus schlafen. Vor Erleichterung kamen mir die Tränen :).

Sie meinte pack deine Sachen komm rein und fühle dich wie zu Hause. Sie ging ins Haus und ihre Schwester sagte zu mir. Weisst Du was, es gibt immer einen Grund weshalb Dinge passieren. Es gibt einen Grund weshalb Du hier bist. ??? Ich schaute sie mit grossen Augen an und dann sagte sie, meine Schwester hat gerade erfahren, dass sie nur noch 3 Monate zu leben hat. Sie hat Krebs. Dann sagte ich, dass es mir leid tut und auch meine Mutter Krebs hatte. Dann drückt sie mir den Finger an die Brust und sagte: „Daaa siehst Du, hatte ich ja gesagt. Es gibt einen Grund weshalb Du hier bist“ ???

Es war ein altes Ranchhaus. Sah alles richtig amerikanisch aus. Der Vater war noch da. Sie waren bei ihr, weil die Chemotherapie am Freitag beginnen sollte. Sie setzten sich alle drei vor mich hin und stellten mir viele Fragen. Wollten meine Geschichte hören. Was mich bewegt alleine zu reisen. Was ich gelernt habe auf dieser Reise… Mit Bewunderung hörten sie mir zu. Fühlte mich wie ein Star. Meine Geschichten mischten sich in die ihre… und ihre in meine… Meine Mutter war sehr stark während sie Krebs hatte. Habe versucht, ihr Mut zu machen und nicht aufzugeben… Sie hat mich immer wieder umarmt und gesagt wie froh sie sei, eine positive Krebsgeschichte zu hören…

Ich weiss, es war gefährlich, was mir passiert ist. Ich weiss, ich hätte auch Pech haben können aber hatte ich nicht und somit bin ich sehr froh, dass es mir passiert ist, weil diese Geschichte werde ich niemals vergessen.

Als ich am nächsten Tag Geld angeboten habe für die Übernachtung, wurde es abgelehnt und man wollte mir sogar Geld mitgeben, obwohl ich gesagt habe ich habe genug Geld. Die Familie war so froh, dass es mich dort hin getrieben hat… Sie fuhren mit mir sogar zur Tankstelle und tankten für mich. Ich hatte keine andere Wahl, ich durfte nicht selber bezahlen.

Wie ich am Anfang meiner Reise geschrieben habe, jede Geschichte die auch nicht meine ist, bereichert mich. Gelernt habe ich viel. Dass wir Menschen immer wieder die selben Geschichten einander erzählen. Genau gleich leiden, nur zu verschiedenen Zeitpunkten… Leider sind nicht alle in der Lage zu erkennen, weshalb sie wo stehen und dass die Geschichte die sie gerade von einem anderen Menschen gehört haben, eigentlich eine leicht abgeänderte Version der eigenen Geschichte ist…20130714-162710.jpg20130714-162733.jpg20130714-162749.jpg20130714-162835.jpg20130714-162856.jpg20130714-162903.jpg20130714-163012.jpg20130714-163024.jpg20130714-163037.jpg20130714-163114.jpg20130714-163143.jpg

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